Internationale Liga für Menschenrechte

Internetpräsenz der Internationalen Liga für Menschenrechte

Menschenhandel und Migration

| Keine Kommentare

1. Einleitung

Wenn wir über Moderne Sklaverei nachdenken, dann ist sie für uns immer weit weg. Es scheint, als würde sie sich im Schatten abspielen, für uns kaum erkennbar. In der Realität existiert sie aber vor unseren Augen, auf offener Straße. Moderne Sklaverei mag zwar wie ein Phänomen einer Parallelgesellschaft erscheinen, sie ist aber ein Problem in unserer Gesellschaft. Und zwar ein Großes. Laut dem Global Slavery Index (GSI) von Walk Free befanden sich 2023 weltweit 50 Millionen Menschen in Ausbeutungsverhältnissen, die als Moderne Sklaverei klassifiziert werden können (GSI, 2023). Und das obwohl die Sklaverei und der Sklavenhandel de jure in allen Staaten weltweit abgeschafft wurde (Marschelke, 2022). Ein Besitzverhältnis zwischen Menschen, wie es zu Zeiten des Sklavenhandels üblich war, gibt es rechtlich nicht mehr. De facto leiden aber diese schätzungsweise 50 Millionen Menschen immer noch unter gleichen Ausbeutungsverhältnissen, wenn nicht sogar schlimmeren. Moderne Sklaverei und Menschenhandel sind also globale Probleme, die ein erhebliches Hindernis für Menschenrechte, Gerechtigkeit und soziale Entwicklung darstellen. Diese Industrie ist für Menschenhändler und Organisierte Kriminalität äußerst profitabel, da sie auf der Ausbeutung der Verwundbarsten basiert.

Menschenhandel und Moderne Sklaverei sind komplexe Phänomene, die durch eine Kombination von wirtschaftlichen, sozialen und politischen Faktoren angetrieben werden. Jeder kann Opfer von Moderner Sklaverei und Menschenhandel werden. Es gibt jedoch Gruppen, die stärker gefährdet sind Opfer dieser Verbrechen zu werden. Solche Faktoren sind beispielsweise Armut oder Bildungsbarrieren, der Klimawandel und die daraus resultierenden Veränderungen des Lebensraums (Human Rights Careers). Stark gefährdet sind außerdem Menschen in Konfliktgebieten und Menschen auf der Flucht. Auf Letztere soll sich dieser Aufsatz fokussieren. Täter:innen nutzen diese Bedingungen aus, um ihre Opfer zu rekrutieren und auszubeuten.

Flüchtende und in Konfliktgebieten lebende Menschen sind besonders stark gefährdet Opfer von Menschenhändlern und Organisierter Kriminalität zu werden. Viele von ihnen haben ihre Heimat, ihre Familien und ihre Lebensgrundlage verloren und sind gezwungen gefährliche und unsichere Wege einzuschlagen, um Sicherheit und Schutz zu finden. Die International Labor Organization gibt an, dass Flüchtende und Migrant:innen ein dreifach höheres Risiko haben in der Zwangsarbeit zu landen, eine Form von Menschenhandel und Moderner Sklaverei (ILO, 2022) . Diese Menschen befinden sich auf ihrer Flucht und während ihrer Ankunft in ihnen völlig fremden Ländern, in einer besonders verletzlichen Lage, die von Täter:innen ausgenutzt wird. Um diese vulnerablen Menschen besser schützen zu können ist es wichtig ein Bewusstsein für ihre besondere Gefährdung zu schaffen. Nur so können effektive Maßnahmen zur Prävention von Moderner Sklaverei und Menschenhandel in dieser besonders schutzbedürftigen Gruppe entwickelt werden.

2. Definition von Menschenhandel und moderner Sklaverei

In der gängigen Literatur gibt es keine eindeutige Definition von Moderner Sklaverei. Der Begriff wird mal enger und mal weiter gefasst. Worin sich die meisten Definitionen aber einig sind, sind drei Merkmale, die Bales und Cornell herausgearbeitet haben. Dazu zählen die Kontrolle durch Gewalt, der Verlust des freien Willens und die wirtschaftliche Ausbeutung (Bales & Cornell, 2008).

Die International Labor Organisation und der Global Slavery Index haben zusammen versucht ihre Terminologien und Methoden aneinander anzupassen, um eine gemeinsame Grundlage zur Erforschung und Dokumentation von Moderner Sklaverei und ihren Ausgestaltungen zu haben. Der Global Slavery Index erklärt, „[Modern Slavery] refers to situations of exploitation that a person cannot refuse or leave because of threats, violence, coercion, deception, and/or abuse of power” („Der Begriff ‚Moderne Sklaverei’ bezieht sich auf Situationen der Ausbeutung, die eine Person weder ablehnen noch ihr entgehen kann, aufgrund von Drohungen, Gewalt, Nötigung, Täuschung und/oder Machtmissbrauch“) (GSI, 2023). Der Begriff Moderne Sklaverei wird in der Literatur häufig als „Umbrella Term“, also als Überbegriff verwendet. Er schließt damit verschiedene Ausbeutungsformen mit ein. Laut Global Slavery Index fallen darunter Menschenhandel, private und staatliche Zwangsarbeit, Zwangsprostitution, sklavereiähnliche Praktiken, Schulknechtschaft, Zwangsheirat und Kinderarbeit (GSI, 2023).

Im folgenden Aufsatz wird der Begriff Menschenhandel gemäß der Definition des Zusatzprotokolls zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels, insbesondere des Frauen- und Kinderhandels, zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität, verwendet.

„[Menschenhandel meint] die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen durch die Androhung oder Anwendung von Gewalt oder anderen Formen der Nötigung, durch Entführung, Betrug, Täuschung, Missbrauch von Macht oder Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit oder durch die Gewährung oder Entgegennahme von Zahlungen oder Vorteilen zur Erlangung des Einverständnisses einer Person, die Gewalt über eine andere Person hat, zum Zweck der Ausbeutung. Ausbeutung umfasst mindestens die Ausnutzung der Prostitution anderer oder andere Formen sexueller Ausbeutung, Zwangsarbeit oder Zwangsdienstbarkeit, Sklaverei oder sklavereiähnliche Praktiken, Leibeigenschaft oder die Entnahme von Organen“ (2005)

Ähnlich definiert es auch das Bundeskriminalamt (BKA). Demnach lässt sich der Begriff Menschenhandel in drei Abschnitte unterteilen. Zum einen die Handlung unter die die Anwerbung, Beförderung, Verbringung, Beherbergung oder Aufnahme von Personen fällt. Zum anderen das Mittel, das die Androhung oder Anwendung von Gewalt, den Betrug, die Täuschung, den Missbrauch von Macht oder die Ausnutzung besonderer Hilflosigkeit enthält. Zuletzt das Ziel, das die physische und psychische Ausbeutung von Menschen und ihrer Arbeitskraft beinhaltet.

3. Besondere Gefährdung von Flüchtenden

Die Fluchtsituation ist in Bezug auf Menschenhandel und Moderne Sklaverei gesondert zu betrachten, da sie eine Ausnahmesituation darstellt. In dieser Situation treffen viele verschiedene Faktoren aufeinander, die Moderne Sklaverei begünstigen. Zum einen befinden sich die flüchtenden Personen in einer unsicheren Lage. Sie kommen aus Konfliktgebieten oder Katastrophengebieten, in denen sie bereits um ihr Leben fürchten mussten. Für viele von ihnen gibt es kein Zurück mehr an diese Orte, da dort nichts mehr für sie existiert oder eine Rückkehr ihren Tod bedeuten würde. Flucht ist deshalb oft eine verzweifelte Entscheidung, die Menschen angesichts extremer Bedrohungen wie Krieg, Verfolgung, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen treffen. Auf ihrer Flucht stehen Flüchtende einer Kumulation verschiedener Faktoren gegenüber, die sie besonders vulnerabel machen.

Flüchtende befinden sich auf ihrer Flucht in einer besonders schwierigen Situation, da sie ihre Heimat und die damit einhergehenden rechtlichen und sozialen Schutzmechanismen hinter sich lassen (Wilson, 2012). Auf ihrer Flucht befinden sie sich in einem de facto rechtsfreien Raum, da jene sie häufig durch Gebiete führt, deren staatliche Strukturen und rechtliche Rahmenbedingungen zu schwach oder gar nicht vorhanden sind, um für Flüchtende Schutz bieten zu können (Wilson, 2012). Zum einen geht es darum, dass Staaten selbst nicht in der Lage sind sich überhaupt um Flüchtende zu kümmern, da sie selbst innerstaatliche Konflikte führen (bewaffnete und unbewaffnete) oder ihre staatlichen Strukturen Schwierigkeiten aufweisen. Es kann schlicht an Interesse oder den strukturellen Kapazitäten mangeln, sich um Ankömmlinge oder Durchreisende zu kümmern. Rechtsfreie Räume können aber auch überall dort entstehen, wo keine Exekutive zur Umsetzung bereitsteht. Da Flüchtende in den seltensten Fällen durch dicht besiedelte Gebiete flüchten, sondern meist durch dünn besiedeltes Gebiet, fehlt es strukturell an rechtlichen Durchsetzungsmöglichkeiten durch die nationale Exekutive. Diese „rechtsfreien Räume“ werden von Menschenhändlern und Organisierter Kriminalität gezielt ausgenutzt, um Opfer zu rekrutieren. Weiterhin sind die meisten Fluchtrouten sehr unsicher, denn sie führen übers Meer oder unwegsames Gelände, das die Menschen stark fordert.

Da Flucht oft eine verzweifelte Entscheidung ist, ist sie in den wenigsten Fällen geplant und gut vorbereitet. Oftmals sind die Menschen gezwungen überstürzt aufzubrechen und dabei ihr weniges Hab und Gut, das Gewalt und Konflikte gegebenenfalls noch übriggelassen haben, mitzunehmen. Den Menschen fehlt es deshalb meist an grundlegenden Dingen, darunter auch ihre Ausweisdokumente. Menschenhändler und Organisierte Kriminalität nutzen aus, dass niemand Bescheid weiß, dass diese Menschen sich auf der Flucht befinden, wo sie gerade sind, wo sie hinwollen, dass sie überhaupt existieren. Ohne gültige Papiere haben Flüchtende meist keinen Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen und Rechten wie Unterkunft, medizinischer Versorgung, Bildung oder legalen Arbeitsmöglichkeiten. Sie sind oft gezwungen auf illegale und unsichere Wege zurückzugreifen, um voranzukommen (Wilson, 2012). Deshalb wenden sie sich an Schleuser und Menschenhändler. Diese nutzen die prekäre und verzweifelte Lage der Flüchtenden aus und führen sie in ausbeuterische und gefährliche Situationen

4. Mechanismen des Menschenhandels auf der Flucht

Menschenhändler und Organisierte Kriminalität sind geschickt darin, die Schwächen und Verwundbarkeit ihrer Opfer auszunutzen. Sie setzen eine Vielzahl von Methoden ein, um Flüchtende in ihre Falle zu locken.

Die wohl gängigste Praxis im Menschenhandel und der Organisierten Kriminalität, um Menschen in die Moderne Sklaverei zu treiben, sind Täuschung und Manipulation (Human Rights Careers). Die Faktoren, die bei Flüchtenden aufeinandertreffen, darunter Traumata, durch erlebte Gewalt, der Verlust von Lebensgrundlagen und vertrauten Personen, Armut, Kräfte zehrende Fluchtrouten und Hunger, sorgen für ein besonders großes Gefühl von Verzweiflung bei Flüchtenden. Sie sind daher besonders anfällig für Lockangebote von Menschenhändlern und Organisierter Kriminalität. Diese geben sich meist als wohlwollende Helfer und Arbeitgeber aus und werben mit sicheren Unterkünften, legalen Arbeitsmöglichkeiten oder Unterstützung bei der Erlangung von Aufenthaltsgenehmigungen. Teilweise opfern Flüchtende dafür ihren letzten Besitz. Die Versprechen werden jedoch nie eingehalten. Stattdessen kommen die meisten Flüchtenden gar nicht erst an ihrem Zielland an, sondern werden einfach an andere Orte transportiert, wo sie zur Arbeit gezwungen werden. Durch Knebelverträge oder Schuldknechtschaft und die Androhung oder Anwendung von Gewalt werden sie gezwungen sich zu fügen, sofern sie Ausweise besitzen, werden ihnen diese abgenommen. Schlepper versprechen Flüchtenden eine Überführung in sichere Zielländer, bringen sie schlussendlich jedoch in ausbeuterische Zwangsverhältnisse.

In vielen Fällen geraten Flüchtende aber auch nur unter Zwang und Anwendung von Gewalt in diese Ausbeutungsverhältnisse, ohne, dass vielversprechende Lockangebote gemacht werden. Oftmals haben Flüchtende bereits traumatische Erfahrungen gemacht, was sie anfälliger für weitere Einschüchterungen oder Erpressungen durch Organisierte Kriminalität oder Menschenhändler macht (Human Rights Careers). Menschenhändler nutzen physische Gewalt, um ihren Willen durchzusetzen, und drohen ihren Opfern mit weiterer Gewalt oder der Rückführung in ihre Herkunftsländer.

5. Beispiel

Fälle von Menschenhandel unter Geflüchteten in der Sinai-Region

Geographische Lage

Die Sinai-Region ist eine Halbinsel von etwa 60.000 km² im Nordosten Ägyptens, die geografisch und politisch von strategischer Bedeutung ist. Sie verbindet Afrika mit Asien und ist von zwei Meeren umgeben: dem Mittelmeer im Norden und dem Roten Meer im Süden. Im Osten grenzt sie an Israel und den Gazastreifen. Ersterer hatte die Region eine Zeit lang besetzt, bis sie Ägypten zugesprochen wurde. Die Region ist dünn besiedelt und weist eine raue Wüstenlandschaft auf, die den Weg durch die Sinai-Region für Geflüchtete besonders gefährlich macht. Politisch wird die Region von Instabilität und Sicherheitsproblemen geprägt, da sie unter anderem Schauplatz von Konflikten zwischen der ägyptischen Regierung und bewaffneten Gruppen ist. Dies trägt zur Unsicherheit und zum Mangel an Schutzmechanismen für Geflüchtete bei.

Hintergrund

Seit 2006 sind bereits Zehntausende Menschen aus Eritrea aus ihrem Heimatland geflohen (Simpson, 2014). Das Land befindet sich in einem sogenannten „kalten Frieden“ mit Äthiopien durch einen Grenzkrieg, dem mehrere Zehntausend Menschen zum Opfer fielen. Seit 2002 hat die Regierung einen nationalen Militärdienst für alle Frauen von 18 bis 27 und alle Männer von 18 bis 50, manchmal auch 60 Jahren, einberufen. Sie müssen gegen ein kleines Taschengeld Militärdienst leisten. Dr. Nicole Hirt zufolge müssen selbst 70-jährige Militärtrainings absolvieren und sich bewaffneten Nachbarschaftsmilizen anschließen (Schmitz, 2018). Der Staat verpflichtet seine Bürgerinnen und Bürger dadurch gewissermaßen zu teils lebenslanger Zwangsarbeit. „Alle arbeiten fast kostenlos für den Staat und haben keine Chance mit ihrem Sold eine Familie zu ernähren“ (Schmitz, 2018). Viele Menschen sind vor dieser Situation bereits geflohen obwohl sie ohne Ausreisevisum gar nicht das Land verlassen dürfen. Bereits an den Grenzen Eritreas hat sich deshalb eine Form des Menschenhandels entwickelt. Korrupte Militärs sind in den Schmuggel von Flüchtenden beteiligt. Für viele beginnen bereits hier ihre Erfahrungen mit dem Menschenhandel. Im Jahr 2018 hat die Regierung Eritreas begonnen die diplomatischen Beziehungen mit seinen Nachbarn wieder aufzunehmen und den Grenzkrieg zu beenden. Doch trotz dieser positiven Entwicklungen hat sich der starke Eingriff in die Grundrechte der Bevölkerung Eritreas nicht verändert.

Situation in der Sinai-Region

Die Aussicht auf lebenslange, durch den Staat angeordnete, Zwangsarbeit, das Wissen die eigene Familie nicht ernähren zu können, und undemokratische Verhältnisse in Eritrea sorgen für Massen an Flüchtenden auf der Suche, nach besseren Lebensbedingungen. Viele von ihnen machen sich auf eine beschwerliche Reise, oftmals durch die Sinai-Region. Sie gilt als wichtiges Transitregion für Geflüchtete. Die raue Landschaft und die dünn besiedelten Gebiete machen das Durchqueren der Region jedoch äußerst schwer. Menschenhändler nutzen diese Gegebenheiten aus, um Flüchtende brutal zu entführen und sie in isolierten Lagern festzuhalten. Dort werden sie unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten und auf schwerste Art und Weise misshandelt. Täter foltern ihre Opfer, um Lösegeld von ihren Familien zu erpressen. Dafür machen sie Videoaufnahmen von den Misshandlungen ihrer Opfer oder lassen sie während ihrer Folter mit ihren Familienmitgliedern telefonieren (Simpson, 2014). Die Lösegeldsummen können die Familien jedoch nur in den aller wenigsten Fällen aufbringen. Wenn die Familien nicht zahlen können, werden die meisten Geiseln weiter in den Menschenhandel verkauft.

Diese Vorgehensweise hat sich nicht zufällig entwickelt, sondern ist das Ergebnis einer Vielzahl von Faktoren, die diese Form der Ausbeutung ermöglichen. Die Sinai-Region ist eine abgelegene und schwer kontrollierbare Region, die es Organisierter Kriminalität, aber auch nicht-organisierten Menschenhändlern einfach macht sich dort für ihre kriminellen Machenschaften zurückzuziehen. Die ägyptische Regierung hat Schwierigkeiten, die Kontrolle über dieses Gebiet aufrechtzuerhalten, was kriminelle Aktivitäten wie Menschenhandel erleichtert. Darüber hinaus gibt es mehrere Berichte über Korruption in den Behörden. Sie legen nahe, dass lokale Sicherheitskräfte entweder direkt in den Handel involviert sind oder bewusst wegsehen (Simpson, 2014).

Die Situation der Geflüchteten aus Eritrea in der Sinai-Region verdeutlicht, wie die Umstände einer Flucht dazu beitragen können, dass Menschen leichter Opfer von Menschenhandel werden. Die Region ist nicht dicht besiedelt und besteht oft aus unwegsamem Gelände.  Dies sorgt für strukturelle Schwachstellen in der Region, um Menschenrechte konsequent durchsetzen zu können. Die Flüchtenden sind außerdem auf die Hilfe von Schleusern und Menschenhändlern angewiesen, um aus Eritrea und durch die Sinai-Region zu fliehen. Diese notgedrungene Abhängigkeit nutzen Menschenhändler und Organisierte Kriminalität aus. Durch Gewalt kontrollieren sie dann ihre Opfer.

6. Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen

Moderne Sklaverei und Menschenhandel stellen trotz der rechtlichen Abschaffung der Sklaverei weltweit weiterhin ein enormes Problem dar, das die Menschenrechte und soziale Entwicklung stark beeinträchtigt. Laut dem Global Slavery Index sind 50 Millionen Menschen betroffen, wobei Flüchtlinge und Menschen in Konfliktgebieten besonders gefährdet sind. Die Fluchtsituation schafft eine Reihe von verwundbaren Umständen: Rechtsfreie Räume, mangelnde Ressourcen wie Ausweisdokumente und der Verlust sozialer Schutzmechanismen machen Flüchtende anfällig für Täuschung und Ausbeutung. Menschenhändler und organisierte Kriminalität nutzen gezielt Täuschung, Manipulation und Gewalt, um Flüchtende in ausbeuterische Verhältnisse zu zwingen.

Ein besonders alarmierendes Beispiel ist die Situation geflüchteter Menschen aus Eritrea in der Sinai-Region. Aufgrund der instabilen politischen und geografischen Lage der Region werden Flüchtlinge dort brutal entführt, gefoltert und zur Zahlung von Lösegeld gezwungen. Die unsicheren Bedingungen, Korruption und die mangelnde Kontrolle durch die ägyptische Regierung begünstigen diese kriminellen Praktiken.

Zur Bekämpfung von Menschenhandel und moderner Sklaverei, insbesondere unter Flüchtenden, sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Stärkung des rechtlichen Schutzes. Hierbei ist es notwendig, dass internationale Zusammenarbeit verstärkt wird, um Gesetze gegen Menschenhandel zu schaffen und deren Umsetzung zu gewährleisten. Besonders entlang gefährlicher Fluchtrouten sollten Schutzmechanismen etabliert werden, um Geflüchtete vor Ausbeutung zu bewahren. Zusätzlich ist es wichtig, die Unterstützung für Flüchtende auszubauen. Dies umfasst die Bereitstellung von sicheren Unterkünften, medizinischer Versorgung sowie rechtlicher Hilfe. Auch der Zugang zu Bildung und legalen Arbeitsmöglichkeiten muss verbessert werden, um die Abhängigkeit von Schleppern und Menschenhändlern zu verringern. Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Bekämpfung von Korruption. Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung in Behörden, insbesondere in Transitregionen wie der Sinai-Region, sind essenziell. Gleichzeitig sollten Sicherheitskräfte geschult und sensibilisiert werden, um Menschenhandel frühzeitig zu erkennen und zu verhindern. Auch die Bewusstseinsbildung spielt eine entscheidende Rolle. Aufklärungskampagnen sollten Flüchtende über die Risiken des Menschenhandels und die Methoden der Täter:innen informieren. Darüber hinaus ist es wichtig, gesellschaftliches Bewusstsein für die Problematik der Modernen Sklaverei zu schaffen, um Solidarität und Handlungsdruck zu fördern. Schließlich ist eine verstärkte internationale Zusammenarbeit notwendig. Grenzüberschreitende Initiativen zur Bekämpfung von Menschenhandel sollten gefördert und finanzielle sowie logistische Unterstützung für besonders betroffene Länder bereitgestellt werden. Nur durch koordinierte Anstrengungen aller beteiligten Akteure können langfristige Fortschritte erzielt werden, um die Verwundbarkeit von Flüchtenden zu verringern und die Strukturen des Menschenhandels nachhaltig zu schwächen. Die Umsetzung dieser Maßnahmen erfordert einen integrativen Ansatz, der die Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und internationalen Institutionen stärkt. Nur so kann die Gefahr des Menschenhandels für diese besonders gefährdete Gruppe nachhaltig reduziert werden.

Ein Beitrag von Friederike Peter, Praktikantin der ILMR im Winter 2025.

Quellen:

Bales, K. & Cornell B. (2008). Moderne Sklaverei. S.8ff

Bundeskriminalamt (BKA). Menschenhandel und Ausbeutung. https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/Menschenhandel/menschenhandel_node.html

Human Rights Careers. https://www.humanrightscareers.com/issues/10-causes-of-human-trafficking/

International Labor Organization (ILO). (2022). https://www.ilo.org/topics/forced-labour-modern-slavery-and-trafficking-persons/data-and-research-forced-labour

Marschelke, J.-C. (2022). Moderne Sklavereien. Bundeszentrale für politische Bildung. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/216478/moderne-sklavereien/#footnote-target-6

Schmitz, B. (2018). Interview: Warum Menschen aus Eritrea fliehen. Hamburger Mit Herz.

Simpson, G. (2014). I Wanted to Lie Down and Die. Human Rights Watch. https://www.hrw.org/report/2014/02/11/i-wanted-lie-down-and-die/trafficking-and-torture-eritreans-sudan-and-egypt

Wilson, A. (2012). Trafficking Risks for Refugees. Societies without Borders 7(1). School of Law Case Western Reserve University.

Walk Free. (2023). Global Slavery Index. https://www.walkfree.org/global-slavery-index/

Zusatzprotokoll zur Verhütung, Bekämpfung und Bestrafung des Menschenhandels insbesondere des Frauen- und Kinderhandels, zum Übereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität. (2005). https://www.un.org/depts/german/uebereinkommen/ar55025anlage2-oebgbl.pdf

Schreiben Sie einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.