Internationale Liga für Menschenrechte

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Die dunkle Kehrseite unserer westlichen Werte. Gastbeitrag von Rolf Gössner im soeben erschienenen Buch „Todesursache: Flucht“

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Am 1. Dezember ist das bereits angekündigte Buchprojekt „Todesursache: Flucht“ erschienen – rechtzeitig vor dem Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember, an dem es im Rahmen diverser Aktionen in mehreren Städten öffentlich vorgestellt und verteilt werden soll (https://flucht.hirnkost.de/terminkalender/).

Die Internationale Liga für Menschenrechte unterstützt dieses Projekt zusammen mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen (s. dazu weiter unten).

Liga-Kuratoriumsmitglied Rolf Gössner hat für dieses Buch einen der Gastbeiträge verfasst:

Die dunkle Kehrseite unserer westlichen Werte.
Zur verdrängten Mitverantwortung Deutschlands, Europas und des Westens für gravierende Fluchtursachen und tödliche Fluchtbedingungen.

„Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören…“ (Artikel 2 des Vertrags der Europäischen Union)

Täglich werden wir mit der verzweifelten Lage von Geflüchteten und ihren Schicksalen konfrontiert. Fast täglich kommen Menschen auf der Flucht ums Leben. Die erschreckenden Nachrichten über das Massensterben lassen sich kaum ertragen, ohne diese grausame Realität mehr oder weniger zu verdrängen – und damit auch gleich die Fluchtbedingungen und Fluchtursachen, die mit uns und der europäischen Politik mehr zu tun haben, als uns lieb sein kann. Vor diesem Hintergrund bekommen die positiv besetzten Begriffe „Willkommenskultur“ und „westliche Werte“ einen mehr als bitteren Beigeschmack.

Dieses Buch – eine verstörende Dokumentation menschlichen Leids und einer humantären Katastrophe – sollte uns dazu zwingen, verstärkt über die Flucht- und Migrationspolitik der EU und ihrer Mitgliedstaaten nachzudenken sowie über die vielfältigen Ursachen von Flucht und Migration. Dabei geht es um aktuelle Missstände, essentielle Zusammenhänge und historische Lasten, die im medialen Alltag und in der herrschenden Politik allzu leicht untergehen. Dazu gehören die Tatsachen und Erkenntnisse:

  • dass die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten politische Mitverantwortung tragen für die tödlichen Fluchtbedingungen, die täglich Menschenleben fordern;
  • dass Menschen, die Krieg, Terror, Unterdrückung, Ausbeutung, Verfolgung und Not mühsam entronnen sind, hierzulande nicht nur von vielen nicht willkommen geheißen werden, sondern zunehmend auf Angst und Abwehr stoßen, sich fremdenfeindlicher rassistischer Gewalt ausgesetzt sehen und erneut in Lebensgefahr geraten;
  • und dass Europa und der Westen insgesamt politische Mitverantwortung tragen für die vielfältigen Fluchtursachen, die zum Teil auch Terror- und Kriegsursachen sind, und die dazu führen, dass Menschen zu Millionen in die Flucht getrieben werden.

Dieser Beitrag ist in voller Länge zu lesen im Anhang sowie unter: https://flucht.hirnkost.de/

Direktlink: https://flucht.hirnkost.de/2018/12/03/die-dunkle-kehrseite-unserer-westlichen-werte-buchbeitrag-von-rolf-goessner-internationale-liga-fuer-menschenrechte/

Der Beitrag kann – mit vorheriger Zustimmung des Autors – ganz oder auszugsweise nachgedruckt / veröffentlicht werden (mit Quellenangabe).

TODESURSACHE_FLUCHTInformationen zum Buchprojekt

Kristina Milz / Anja Tuckermann (Hg.)

Todesursache: Flucht
Eine unvollständige Liste

Mit Beiträgen von Heribert Prantl, Heinrich Bedford-Strohm,
Rolf Gössner, Stephan Lessenich, Bernd Mesovic, Heike Martin,
Kristina Milz, Carlos Collado Seidel, Anja Tuckermann u.a.

Hirnkost-Verlag, Berlin 2018 – https://flucht.hirnkost.de/
ca. 460 Seiten, Format 13,5 x 20,5, gebunden mit Lesebändchen, 3,99 €
ISBNs: 978-3-947380-29-9 print; 978-3-947380-30-5 epub; 978-3-947380-31-2 pdf
Als Hörbuch im Hörbuchverlag: DerDiwan: http://der-diwan.de/

Mehr Informationen zu dem Projekt und Unterstützungsmöglichkeiten: https://flucht.hirnkost.de/das-projekt/

In den vergangenen 25 Jahren sind mehr als 35.000 Menschen auf der Flucht nach und in Europa ums Leben gekommen. Zum Internationalen Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2018 gibt der Berliner Hirnkost-Verlag die Liste der auf dem Weg nach Europa verstorbenen Geflüchteten in Buchform heraus. Zusammengestellt wurde die Liste ursprünglich von der Organisation UNITED for Intercultural Action in Amsterdam, die aus 550 Organisationen aus 48 europäischen Ländern besteht (Titel der Liste: “Asylsuchende, Geflüchtete und Migrant*innen, die aufgrund der restriktiven Politik der Festung Europa zu Tode kamen“). Die meisten der aufgelisteten Menschen ertranken im Mittelmeer, es sind aber auch solche verzeichnet, die sich in Europa selbst getötet haben, “weil sie durch die Fallstricke der Bürokratie, durch zu lange Wartezeiten oder Angst vor Abschiebung zermürbt worden sind“. Die meisten Toten sind ohne Namen verzeichnet. Einige Namen, die Überlebende übermittelt haben, werden genannt. Die beiden Herausgeberinnen wollen “die Menschen, die sie waren, dem Vergessen entreißen, um das Ausmaß dieser Tragödie besser zu fassen zu bekommen – und der Debatte um Flucht und Tod wieder ein menschliches Antlitz zu geben“.

Die Dunkelziffer der Ertrunkenen ist mindestens um ein Dreifaches höher, wie verschiedene Seenotrettungsorganisationen vermuten. Noch einmal doppelt so hoch wird die Zahl der Menschen geschätzt, die in der Sahara auf dem Weg nach Norden sterben. “Hinzurechnen muss man auch die Flüchtenden, die in den Milizen- und Schlepperlagern und in den Gefängnissen der von Europa und den Vereinten Nationen anerkannten Teilregierung Libyens sterben” (Anja Tuckermann).

Die mehr als 300 Buchseiten umfassende Liste wird um kurze Porträtgeschichten von einigen der Gestorbenen, Berichten von Überlebenden und Gast-Beiträgen ergänzt: so von Heribert Prantl (Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung), Heinrich Bedford-Strohm (Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern), Rolf Gössner (Kuratoriumsmitglied der Internationalen Liga für Menschenrechte, Berlin), Heike Martin (Bündnis „Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie“), Stephan Lessenich (Professor für Soziologie der Ludwig-Maximi­lians-Universität München), Bernd Mesovic (Pro Asyl), Carlos Collado Seidel (Autor und Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland) u. a.

Das Buch erscheint in einer Startauflage von 10.000 Exemplaren und wird am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, von zahlreichen Verbänden, Initiativen und Projekten vorgestellt und (kostenlos) verteilt. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen soll so auf das Thema aufmerksam gemacht werden, um möglichst viele Menschen zu erreichen (https://flucht.hirnkost.de/terminkalender/ ). Das Buch kann auch direkt in jeder Buchhandlung oder über den Verlagsshop bestellt werden: https://shop.hirnkost.de/produkt/todesursache-flucht-eine-unvollstaendige-liste/

Die Initiatorinnen und Herausgeberinnen des Projektes sind: Kristina Milz, Jahrgang 1988, freie Journalistin und Historikerin. Sie lebt und schreibt zwischen München, Berlin und Nahost. Für ihre Arbeiten erhielt sie Preise und Stipendien. Anja Tuckermann, geboren 1961, ist Autorin von Romanen, Erzählungen, Theaterstücken, Libretti und Bilderbüchern. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in 13 Sprachen übersetzt.

Der Hirnkost Verlag in Berlin wurde 2003 vom Archiv für Jugendkulturen gegründet. Seine Publikationsschwerpunkte sind neben Jugend- und Subkulturen die Themen Migration und Flucht.

Das Buch “Todesursache: Flucht” erscheint sowohl als Print- als auch als epub/ebook-Ausgabe. Darüber hinaus erscheint die Liste zusammen mit allen Porträts und Gastbeiträgen auch als Hörbuch im Hörbuch-Verlag DerDiwan: http://der-diwan.de/ . Direktlink zum Hörbuch: http://der-diwan.de/kristina-milz-anja-tuckermann-hrsg-todesursache-flucht/

Mit Gastbeiträgen von:

  • Heinrich Bedford-Strohm (Evangelische Kirche in Deutschland), Moustapha Diallo (Literaturwissenschaftler und Publizist)
  • Rolf Gössner (Rechtsanwalt/Publizist, Internationale Liga für Menschenrechte), Angela Hermann (NS-Dokumentationszentrum München)
  • Monika Hoenen (matteo – Kirche und Asyl), Mohammed Ibrahim (Aynouna)
  • Mahmoud Juma (Schüler in Göttingen), Lorenz Narku Laing (Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft LMU München)
  • Stephan Lessenich (Professor für Soziologie, Institut für Soziologie der LMU München), Heike Martin (Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie
  • Karl-Heinz Meier-Braun (Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen),
    Bernd Mesovic (Pro Asyl), Christoph K. Neumann (Institut für den Nahen und Mittleren Osten der LMU München),
  • Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung), Ruben Schenzle (Seminar für Semitistik und Arabistik der FU Berlin),
    Carlos Collado Seidel (PEN Zentrum Deutschland), Helene Seipelt (Schülerin in Marburg), UNITED for Intercultural Action

Unterstützer-Organisationen

Aktion Courage, Bremische Evangelische Kirche, Caritas, Deutscher Kulturrat, Flüchtlingsräte (u.a. Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz), Gangway-Straßensozialarbeit Berlin, Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie, graswurzel revolution, Hilfe für Afrika e.V., Internationale Liga für Menschenrechte (Berlin), MiGAZIN, Mission lifeline, Münster – Stadt der Zuflucht, netzwerk recherche, pax christi, PEN-Zentrum Deutschland, Pro Asyl, Sea Eye, Sea Watch, Stiftung Respekt, Stiftung Weltethos, Verband Deutscher Schriftsteller u.a.

Weitere Informationen

https://flucht.hirnkost.de/das-projekt/
https://flucht.hirnkost.de/2018/10/22/wir-haben-es-geschafft-es-geht-voran-und-weiter/
https://flucht.hirnkost.de/unterstuetzerinnen/
https://flucht.hirnkost.de/pressespiegel/
https://flucht.hirnkost.de/verkaufsstellen/
https://flucht.hirnkost.de/pressematerial/

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