Internationale Liga für Menschenrechte

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Veranstaltung: Aktivistinnen im Kampf um die Unabhängigkeit der Westsahara

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Am Sonntag, den 09. März fand um 18 Uhr im Haus der Demokratie und Menschenrechte die Veranstaltung „Aktivistinnen im Kampf um die Unabhängigkeit der Westsahara“ statt.

Eingeführt in die Veranstaltung hat die Comic-Zeichnerin Fine von der Organisation La Jaima de Tiris. Nach einem kurzen Grußwort von Liga Vorstandsmitglied Ulrich Wimmer und einer Vorstellungsrunde trug Fine lebendig und mit viel Emotion einen Ausschnitt ihres Comics „Genug gewartet. Ein Comic zum Westsaharakonflikt“ vor. Der vollständige Comic wird vermutlich innerhalb dieses Jahres zum Kauf erhältlich sein.

Im Verlauf des Abends gab es saharauischen Tee. Der Tradition nach wurden drei Tees getrunken, der Erste „bitter wie das Leben“, der Zweite „süß wie die Liebe“ und der Letzte „sanft wie der Tod“.

Im Anschluss wurde der Dokumentarfilm „Insumisas“*, ein Film über die Frauen im Kampf in der Westsahara gezeigt. Er thematisiert die Menschenrechtsverletzungen unter denen Frauen in der Westsahara leiden und unterstreicht vor allem ihre Kraft und Resilienz im Kampf um die Unabhängigkeit der Westsahara. Die saharauischen Menschenrechtsaktivistinnen erzählen von ihren Erfahrungen mit Folter und sexualisierter Gewalt und machen aufmerksam auf die Geschichte und aktuelle Lage im besetzten Teil der Westsahara. El Ghalia Abdalahe Djimi, eine der saharauischen Aktivistinnen, die im Film vorkommt, arbeitet zurzeit bei den Vereinten Nationen in Genf und hat eine Videobotschaft geschickt, die wir nach dem Film angeschaut haben. Sie erzählt über die Motivation hinter dem Drehen des Films, gibt Informationen zur aktuellen Situation in den besetzten Gebieten der Westsahara und bedankt sich bei der Liga, La Jaima de Tiris und allen Gästen. Außerdem bittet sie um die Verurteilung der Vergewaltigung des saharauischen Aktivisten Breica Bahi, der am 28. Februar in der Stadt Laayoune entführt wurde.

„Die derzeitige Menschenrechtslage in den besetzten Gebieten ist eine Fortsetzung der früheren Situation, mit Ausnahme des Verschwindenlassens von Personen, das in großem Umfang stattfand, aber durch willkürliche Verhaftungen, falsche Anschuldigungen und harte Strafen ersetzt wurde.“

„Marokko hat auch begonnen, wirtschaftliche Strafen zu verhängen, d.h. saharauische Aktivisten und Verteidiger der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Westsahara zu bestrafen und sie daran zu hindern, in den Genuss irgendeines Rechts zu kommen: Das Recht zu arbeiten oder das Recht, von den Ressourcen der Region zu profitieren. Die Methode der wirtschaftlichen Bestrafung zielt darauf ab, Aktivisten zu zähmen und sie zu zwingen, sich der schweigenden Mehrheit in der Gesellschaft anzuschließen.“

Zuletzt beantwortete eine saharauische Menschenrechtsaktivistin in der Diaspora, Minetu Handi, Fragen und erzählte über ihr Leben. Sie wurde in einem der Flüchtlingcamps geboren und erinnert sich an die Umstände und Situation der Familien. Die Männer waren im Krieg, die Söhne gingen woanders zur Schule und Universität und die Frauen kümmerten sich um alles im Camp. Sie erzählt von dem unermüdlichen sozialen Engagement der Frauen und den Opfern, die von den saharauischen Menschen gebracht werden, im Kampf für Unabhängigkeit und Freiheit.

„Die Familien waren grundsätzlich getrennt. Die Väter waren im Krieg, die Frauen und Mütter waren fast 24 Stunden im sozialen Engagement und die Brüder sind studieren gegangen in Ländern, in denen die Polisario ein Abkommen hatten. Dort gab es dementsprechend Stipendien, damit die Brüder zur Schule und Universität gehen konnten. Die Familie ist nie zusammen.“

„Ich [Minetu Handi] möchte zeigen, wie viel Stärke die Frauen haben, dass sie Kämpferinnen sind. Aber dass sie auch Hilfe brauchen. Dass sie eben nicht vergessen werden wollen und sollen. Ich wünsche mir, und diese Frauen möchten mit ihrer Kraft und Organisation erreichen, dass die Westsahara frei ist und nicht die Besetzung immer weiter geht. Denn viele sind schon gestorben im Kampf für die Freiheit. Deshalb machen wir weiter. Denn wir haben das Recht auf unserer Seite. Wir wollen Respekt und Autonomie. Wir sind ein Volk der Offenheit, der Gastfreundschaft. Deswegen lade ich euch ein, mehr dazu kennenzulernen, etwas zu tun, es weiterzugeben und auch Unterstützung zu leisten für die rechtmäßige Freiheit der Westsahara.“

(übersetzt aus dem Spanischen von Marie Zeller)

Gegen eine Spende gab es außerdem bedeutungsvolle Seiten aus dem Comic und andere schöne Prints.

Wir hoffen, dass der Abend über die derzeitige Situation aufklären und euch zum eigenen Handeln anregen konnte.

*Triggerwarnung: Film zeigt Menschenrechtsverletzungen und berichtet über sexualisierte Gewalt

Weiteres Material:

Film Review: Insumisas

Studie „Let everything come to light. Violations of the human rights of women in occupied Western Sahara (1975-2021)“

Grafische Zusammenfassung der Studie

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