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Gaza: Gerechtigkeit für ermordete palästinensische Menschenrechtsverteidigerinnen und ihre Familien!

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In der vergangenen Woche wurden bei israelischen Angriffen zwei Mitarbeiterinnen des Palestinian Centre for Human Rights (PCHR) und 46 ihrer Familienangehörigen getötet. Die Fédération Internationale pour les Droits Humains (FIDH) trauert um ihren Tod und verpflichtet sich, gegen die Verantwortlichen für ihren Tod vorzugehen.

29. Februar 2024. „Wir alle haben etwas in uns, das kaputt gegangen ist und niemals repariert werden kann“, sagte Basel al-Sourani, Wissenschaftler und Rechtsberater bei PCHR, als er die FIDH über die Umstände der Ermordung von Nour Naser Abu-Al, Dana Yaghi und ihrer Familien informierte. Bombardierungen und Tötungen, Entführungen und Folter, Hunger und Zwangsvertreibung sind in Gaza Teil der täglichen Erfahrungen von Mitarbeiter*innen von Menschenrechtsorganisationen, die der FIDH angehören. Die physische und psychische Belatung ist immens. Seit Beginn der israelischen Angriffe haben die Meisten Angehörige verloren und alle von ihnen kämpfen um ihr eigenes Überleben. Die Ermordung von Nour Abu Nour und Dana Yaghi hat die Mitgliedsorganisationen der FIDH tief getroffen.

Am 20. Februar wurden Nour Naser Abu Al-Nour und sieben ihrer Familienangehörigen durch einen israelischen Luftangriff auf ihr Familienhaus in Rafah südlich des Gazastreifens getötet. Zu den Getöteten gehörten zudem ihre zweijährige Tochter, ihre Mutter, ihr Vater, der Dekan der Fakultät für Krankenpflege an der Islamic University in Gaza war, sowie ihre Schwestern und ihr Bruder. Nur wenige Tage später, am 24. Februar, wurden Dana Yaghi und 39 weitere Personen, von denen die meisten Mitglieder ihrer Familie waren, bei einem Bombenanschlag auf das Haus ihrer Familie in Deir Al-Balah getötet. Sowohl Dana als auch Nour waren Anwältinnen bei der Frauenrechtsabteilung des PCHR; sie beide waren zwangsvertrieben worden.

Sie dokumentierten Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen und Kinder und gaben Frauen Rechts- und Selbsthilfeberatung. Frauen sind im im Vergleich zu den 30.000 Toten und 70.000 Verwundeten unverhältnismäßig häufig Opfer der israelischen Aggression im Gazastreifen. Die Wahrnehmung sexueller und reproduktiver Rechte, sowie jede andere Form der Ausübung der Menschenrechte wird den Palästinenser*innen durch den von Israel an ihnen verübten Völkermord verhindert.

„Wir werden nicht aufhören, nach Gerechtigkeit für die Ermordung von Nour und Dana und ihren Familien zu streben. Diejenigen, die die Luftangriffe angeordnet haben, die sie getötet haben, und diejenigen, die sie abgefeuert haben, müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Jede Tötung von Zivilisten in Gaza verdient Rechenschaft und Strafverfolgung“, sagte Clémence Bectarte, Menschenrechtsanwältin und Koordinatorin der Litigation Action Group der FIDH.

Menschenrechtsverteidiger*innen in Gaza werden selbst zu Opfern

Von den sieben palästinensischen und israelischen FIDH-Mitgliedsorganisationen haben vier davon Mitarbeiter*innen im Gazastreifen stationiert: das Al-Mezan Center for Human Rights, das Palestinian Centre for Human Rights (PCHR), Al-Haq, and B’Tselem. Insgesamt arbeiteten dort vor Beginn der jüngsten israelischen Offensive in Gaza rund drei Dutzend Menschenrechtsverteidiger*innen, die mit der FIDH affiliiert sind. Seit dem 7. Oktober 2023 befinden sie sich im Mittelpunkt der humanitären Katastrophe, die die gesamte Region eingenommen hat. Viele von ihnen sind Nachkommen palästinensischer Flüchtlinge aus dem Jahr 1948, die alle unter der Apartheid lebten. Als einstige Menschenrechtsverteidiger*innen, die Menschenrechtsverletzungen dokumentierten und sich für die Opfer vor Ort einsetzten, sind sie nun selbst zum Ziel israelischer Angriffe geworden.

Im Dezember 2023 wurde Ayman Lubbad, Forscher in der Abteilung für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte am PCHR, vom 7. bis 14. Dezember im Zuge der Massenverhaftungen von Palästinenser*innen durch israelische Streitkräfte rechtswidrig inhaftiert. Die meiste Zeit seiner Haft verbrachte er in Handschellen und verbundenen Augen, musste ganze Tage lang unter Schmerzen auf den Knien liegen, während er hungerte, ihm der Schlaf entzogen, er geschlagen und verhört wurde – Handlungen, die nach dem humanitären Völkerrecht Misshandlung und Folter gleichkamen.

Trotz dieser schrecklichen Bedingungen und der potenziellen Gefahr direkter Angriffe des israelischen Militärs versuchen Menschenrechtsverteidiger*innen in Gaza, ihre Arbeit fortzusetzen und die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen zu dokumentieren – die allerdings zu zahlreich sind, als dass sie vollständig erfasst werden könnten.

Die FIDH fordert die Schaffung von Bedingungen, die es Menschenrechtsorganisationen ermöglichen, ihre Arbeit in vollem Umfang wahrzunehmen, und unter denen verhindert wird, dass Beweise für Menschenrechtsverletzungen vernichtet werden. Den Vereinten Nationen muss gestattet werden, den Norden des Gazastreifens zu erreichen, wo keine humanitäre Hilfe verteilt werden kann und wo viele Menschenrechtsverletzungen mit großer Wahrscheinlichkeit undokumentiert bleiben und nicht gemeldet werden.

Die FIDH fordert einen sofortigen Waffenstillstand sowie eine Rechenschaftsablage für die begangenen internationalen Verbrechen!

Zum Originaltext der Pressemitteilung: Gaza: Justice for murdered Palestinian human right defenders and their families (fidh.org)

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