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Reinhard Strecker mit Arnold-Freymuth-Preis 2016 ausgezeichnet

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Die Internationale Liga für Menschenrechte gratuliert ihrem langjährigen Vorstandsmitglied zur Ehrung für seine frühe Aufklärung über die ungesühnte Nazijustiz und für seine Zivilcourage

Verleihung am Sonntag, 27.11.2016, 11.00 Uhr im Forum des Gustav-Lübcke-Museums, Neue Bahnhofstraße 9, 59065 Hamm

Presseerklärung (pdf)

Seit 1994 verleiht die Arnold-Freymuth-Gesellschaft in Hamm, die sich der juristischen Zeitgeschichte widmet, alle zwei Jahre einen Preis an Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise um den demokratischen und sozialen Rechtsstaat verdient gemacht und dabei Zivilcourage gezeigt haben (http://www.freymuth-gesellschaft.de/cms/start/2016.html).

Der diesjährige Preisträger Reinhard Strecker hatte sich bereits in seiner Studentenzeit mit einem Problembereich befasst, der zu seinem Lebensthema geworden ist: die Aufarbeitung der NS-Geschichte. Das lange verdrängte institutionelle, gesetzliche und personelle Erbe des „Drit­ten Reichs“, das fast unmerklich in der jungen Bundesrepublik übernommen worden war, entriss er mit seinen couragierten Recherchen und Aktionen der Verdrängung. Schwerpunkt seiner frühen Aufklärungsarbeit: die „Ungesühnte Nazijustiz“.

Gemeinsam u.a. mit dem Sozialistischen Studentenbund SDS konzipierte er 1959 eine Wanderausstellung mit Kopien von Terrorurteilen, die Sondergerichte der Nazijustiz gefällt hatten. Die historische Ausstellung wurde u.a. in Karlsruhe, danach in Berlin und in anderen Städten sowie im Ausland gezeigt. Mit diesen Dokumenten konnte nachgewiesen werden, dass die westdeutsche Justiz mit Hunderten von NS-Tätern errichtet worden ist und dass selbst die furchtbar­sten Juristen der NS-Sonder­gerichte in Amt und Würden zurückkehrten und sogar Schlüs­selposi­tionen besetzten. Gegen fast 50 von ihnen erstattete Reinhard Strecker damals Strafanzeigen. Verurteilt wurde bekanntlich keiner. https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Strecker_(Aktivist)

Die Ausstellung und auch die Strafanzeigen sorgten für erheblichen politischen Wirbel und Diskussionen. In Berlin diskreditierten CDU-Senatoren und Abgeordnete die Ausstellung öffentlich als „sowjetzonale Propaganda“. Lehrer wurden ermahnt, ihre Schüler hiervon fern zu halten. Reinhard Strecker sah sich daraufhin Rufmord-Kampagnen und Anfeindungen ausgesetzt, ja auch Bedrohungen gegen sich und seine Familie; und er blieb auf hohen Kosten des Aus­stellungsprojekts sitzen. Die Wanderausstellung, die auch im Ausland für Aufsehen sorgte, ist noch heute im kollektiven Bewusstsein verankert und ihr Urheber gilt inzwischen als Pionier der bundesdeutschen Vergangenheitsaufarbeitung. Gegen alle Widerstände hat er damit viel bewirkt – sowohl in Opposition zur öffentlichen „Schlussstrich-Debatte“ als auch hin­sichtlich einiger Konsequenzen, wie etwa der Frühpensionierung NS-belasteter Richter. Umso erstaunlicher, dass es noch mal 55 Jahre gedauert hat, bis endlich offiziell das Ausmaß der NS-Infiltration des Bundesjustizministeriums, das alle Befürchtungen übersteigt, aufgearbeitet und 2016 publik gemacht wurde.

Erst sehr spät – nämlich 2015 – sind Reinhard Streckers Leistungen endlich öffentlich ge­würdigt worden – von Seiten der SPD, der er über 50 Jahre angehört, sowie von Seiten der Bundesrepublik, die ihn mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande für Lebenswerk und Ver­dienste um die Aufarbeitung der NS-Justizge­schich­te ehrte. Für seine Zivilcourage „musste er über Jahre hinweg gesellschaftliche Ächtung aushalten. Die große Achtung, die dem heutigen Deutschland aufgrund der inzwischen offen geführten Auseinandersetzung mit seiner Geschichte in der Welt entgegengebracht wird, verdankt sich nicht zuletzt dem per­sönlichen Mut von Reinhard Strecker”, heißt es in einer Pressemitteilung der Berliner Staatskanzlei vom August 2015. Und in der Laudatio von Tim Renner, Berliner Staats­sekretär für Kulturelle Angelegenheiten, heißt es: „Sie sind ein Vorbild für Zivilcourage und staats­bür­gerliches Engagement“. www.landespressedienst.de/bundesverdienstkreuz-fuer-reinhard-strecker/

Jetzt ist mit der Verleihung des Arnold-Freymuth-Preises eine weitere wohlverdiente Ehrung hinzugekom­men. Die Internationale Liga für Menschenrechte, in der Reinhard Strecker seine Aufklärungsarbeit fortgesetzt hat, gratuliert ihrem langjährigen Vorstandsmitglied herzlich zu dieser Auszeichnung.

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