Internationale Liga für Menschenrechte

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Ägypten: Familien von im Exil lebenden Journalisten, Aktivisten und Menschenrechtsverteidigern werden von den Behörden durch stellvertretende Bestrafung als Geiseln gehalten

Mittwoch, 26. November 2025

Mehrere Organisationen, darunter die FIDH und die Weltorganisation gegen Folter (OMCT), äußern im Rahmen der Beobachtungsstelle zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern ihre tiefe Besorgnis über die zunehmende Praxis der “punishment by proxy” durch die ägyptischen Behörden, die sich in den letzten Monaten noch verschärft hat. Diese seit Jahren angewandte Praxis zielt darauf ab, Angehörige von im Ausland lebenden Aktivisten, Schriftstellern und Dissidenten in Ägypten durch Razzien, Verhaftungen ins Visier zu nehmen, um sie für ihre Meinungen und Aktivitäten unter Druck zu setzen oder zu bestrafen.

Am 22. Oktober 2025 verhafteten Beamte des ägyptischen Staatssicherheitsdienstes den 63-jährigen Sobhy Eid, Vater des Podcast-Moderators Seif al-Islam Eid, in seinem Haus im Stadtteil Al-Mandara von Alexandria.

Eid verschwand drei Tage lang, bevor er am 25. Oktober vor der Obersten Staatssicherheitsstaatsanwaltschaft erschien. Während seiner Zeit des Verschwindens wurde ihm der Kontakt zu seinem Anwalt und seiner Familie verweigert. Seif al-Islam Eid moderiert „Anbar Kollo Yesma“, den ersten ägyptischen Podcast, der das Leben in ägyptischen Gefängnissen dokumentiert. Er glaubt, die Verhaftung seines Vaters sei eine Vergeltungsmaßnahme für eine kürzlich erschienene Podcast-Folge gewesen, in der ein ehemaliger politischer Gefangener seine Foltererfahrungen im Al-Azouly-Gefängnis, einer der berüchtigtsten Haftanstalten Ägyptens, schilderte. Das Ägyptische Menschenrechtsforum (EHRF) dokumentierte 2024 und 2025 mindestens zwölf Fälle von Stellvertreterbestrafung gegen Angehörige ägyptischer Aktivisten, Journalisten und Menschenrechtsverteidiger im Ausland. Die Daten belegen, dass die ägyptischen Behörden familiäre Bindungen als Instrument politischer Kontrolle nutzen und Inhaftierung einsetzen, um kritische Stimmen im Ausland zum Schweigen zu bringen. Dies stellt eine gefährliche Form transnationaler Vergeltung dar.

 

Zum Originaltext: FIDH