Internationale Liga für Menschenrechte

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Zur Verabschiedung von Fanny-Michaela Reisin aus dem Vorstand: Würdigung ihrer zweimaligen Präsidentschaft in der Internationalen Liga für Menschenrechte

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Liga-Vorstandsmitglied Rolf Gössner während der Liga-MV am 18.02.2016

 

Liebe Fanny-Michaela, liebe Liga-Mitglieder,

heute verabschiedet sich Fanny-Michaela aus dem Liga-Vorstand und von den Mitgliedern – und beendet damit eine Ära. Wie Ihr wahrscheinlich wisst, war Fanny zweimal Präsidentin der Liga: zuerst von 1998 bis 2001, ein zweites Mal von 2008 bis 2016 – also insgesamt 12 lange Jahre. Sie ist damit die erste und einzige, die zwei Präsidentschaften absolvierte und nur Erwin Beck war ähnlich lange Präsident.

Ich gehe davon aus, dass hier im Saal fast alle um Bedeutung und Verdienste unserer langjährigen Präsidentin wissen, so dass ich mich auf wenige Aspekte beschränken kann. Ihre prägende Rolle müssen ohnehin spätere Generationen herausarbeiten. Die Schwerpunkte ihrer Arbeit kommen nicht zuletzt in den Verleihungen der Carl-von-Ossietzky-Medaillen in jenen zwei Perioden zum Ausdruck: Es ging dabei im Kern um Flucht, Asyl und Flüchtlingsarbeit, den Nahost-Konflikt Israel – Palästina, um Polizeigewalt und mangelnde Kontrolle von Polizeihandeln sowie um Geheimdienste, Überwachung und Whistleblowerschutz.

Als Liga-Präsidentin hatte Fanny-Michaela eine starke Präsenz: vor allem auch in Kooperationen mit anderen Organisationen und Initiativen, sie hielt viele Fäden in der Hand, war und ist national wie international bestens vernetzt. Sie hat dabei viel bewegt und sich um die Liga, ihre Menschenrechtsarbeit und ihr Fortbestehen enorm verdient gemacht. Ich erinnere nur an die Mitbegründung des Liga-Ausschusses Sinti und Roma, an die Prozessbeobachtung im Strafverfahren um den Tod von Oury Jalloh im Polizeigewahrsam Dessau (zusammen mit Arni und Reinhard), an die Unterstützung von Flüchtlingen und Flüchtlingsinitiativen (mit Arni), auch vor Ort; erinnert sei an ihr Engagement für einen gerechten Frieden in Nahost, an ihren Einsatz für Whistleblowerschutz und an die Gemeinschaftsaktion „BND an die Kette“ – und vor allem an einen der Höhepunkte Ende 2014, als wir zusammen die Carl-von-Ossietzky-Medaillen an Edward Snowden, Laura Poitras und Glenn Grennwald verliehen haben – inzwischen dokumentiert in der Broschüre mit dem Titel „Mutige Aufklärer im digitalen Zeitalter“, die hier und bei der Liga erhältlich ist.

Die große Tradition der Liga lag Fanny-Michaela immer sehr am Herzen, weshalb sie gerne das Liga-Typische und die Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten suchte. Ganz besonders im Jahr 2014 kam diese Tradition zum Ausdruck, als wir unter Fannys Federführung 100 Jahre Liga feierten und Veranstaltungen dazu organisierten – ein Jahr, in dem sie sich bis an die Grenzen ihrer Gesundheit engagierte – und darüber hinaus. Glücklicherweise hat sie sich davon inzwischen wieder erholt – und zum Glück hat sie die spannende Geschichte der Liga aufgeschrieben und uns hinterlassen. Nachzulesen in dem sehr aufschlussreichen Einstiegskapitel unserer Liga-Festschrift zum Hundertsten: „Für Menschenrechte“ (2014) – ein lohnender Rückblick auf „100 Jahre gegen den Strom“. Auch hier und über die Liga erhältlich…

Die Arbeit im Vorstand der letzten Jahre war nicht immer leicht. Vor allem auch angesichts der Tatsache, dass sich die Liga immer wieder am Abgrund befand – finanziell, konzeptionell, aber auch personell. Dabei, das muss man dazu sagen, gingen uns die Menschenrechtsthemen wahrlich nicht aus, und sie werden uns auch künftig nicht ausgehen angesichts der weltweiten Konflikte, Krisen, Kriege, Fluchtursachen und Fluchtfolgen.

Eigentlich eine permanente Überforderung … die uns aber geradezu herausgefordert, weiterzumachen und uns allmählich zu verjüngen – nun mit anderen Vorstandsstrukturen und mit neuen Kräften. Von nun an müssen wir aber ohne Fanny-Michaela und ihren Erfahrungsschatz auskommen – in der Hoffnung, dass wir von ihrem Liga-Wissen weiterhin profitieren und zumindest hie und da auf ihren Rat zurückgreifen können.

Wir wünschen Dir, liebe Fanny-Michaela, jedenfalls alles Gute und – nachdem Du so viel Kraft und persönliche Lebenszeit in die Liga und die Menschenrechtsarbeit gesteckt hast – wünschen wir Dir vor allem eins: nämlich Zeit, endlich all das anzupacken, was liegen geblieben ist, was Dir schon lange am Herzen liegt – etwa Deine Forschungsarbeiten. In diesem Sinne – viel Kraft, Erfolg und eine weitgehend unbeschwerte Zeit. Gerne erinnere ich mich übrigens an den einen oder anderen späten Abend bei Dir zuhause, bei einer Flasche Rotwein und persönlichen und politischen Gesprächen. Deshalb in Erinnerung daran …

RG

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