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Fallbeispiel 1 – Mohammed Feisal Abu Sakhar

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Fallbeispiel 1 – Mohammed Feisal Abu Sakhar (pdf)
Mohammed Feisal Abu Sakhar

Geburtsdatum: 02.08.1991
Familienstand: Ledig
Beruf: Clown at the Palestinian Circus School Kol Saber, Bir Zeit
Haftort: Checkpoint Zaatara, Highway Jenin – Bir Zeit
Haftdatum: 14. Dezember 2015
Anklage: Keine
Gefängnis: Megiddo, Israel
Rechtsstatus: 6 Monate Administrativhaft

Sachstand am 03. Mai 2016

Am Montag, den 14. Dezember 2015 wurde der 23-jährige, alleinstehende Mohamad Faisal Abu Sakha auf dem Rückweg von seinem Elternhaus in Jenin nach Bir Zeit bei Ramallah um ca. 4:00 Uhr nachmittags unweit der Stadt Nablus beim Überqueren des Checkpoint Zaatara von israelischen Sicherheitskräften aus dem Fahrzeug hinausbefohlen und nach Feststellung seiner Personalien festgesetzt.

Zunächst in die nahegelegene Militärbasis Huwara bei Nablus verbracht, musste er in der Dezemberkälte dreieinhalb Stunden mit verbundenen Augen draußen ausharren, um zu erfahren, dass er dort festgesetzt bleibe. Laut eigener Aussage war er – ohne anwaltliche Unterstützung – umfangreichen Verhören ausgesetzt. Er verweigerte jedoch jegliche schriftliche Einlassung und unterzeichnete keines der ihm vorgelegten Dokumente. Zum Zeitpunkt seiner Festsetzung lag gegen ihn weder eine Anklage noch eine andere, für ihn nachvollziehbare Anschuldigung vor. Während der ersten sieben Tage in der Militärbasis wurde er den Richtern des Salem-Gerichts vorgeführt, die am 5. Januar 2016 die Ausdehnung seiner Festsetzung auf sechs Monate vom 25. Dezember 2015 bis zum 13. Juni 2016 beschlossen.[1]

Das israelische Militärgericht in Ofer, das zur Prüfung des Vorgangs angerufen worden war, bestätigte die von den Militärrichtern am Salemer Gericht verhängte Administrativhaft und stellte ohne weitere Begründung fest, Abu Sakha stelle laut geheimdienstlicher Informationen aufgrund seiner – vom Gericht nicht näher ausgeführter – Aktivitäten ein Sicherheitsrisiko für die Region dar. Mangels alternativer Optionen müsse er vorerst inhaftiert bleiben. Abu Sakha wurde ins nordisraelische Gefängnis Megiddo verbracht. Dort war es am 18. Januar 2016 – knapp vier Wochen nach seiner Festnahme – seinem Anwalt endlich gestattet, ihn aufzusuchen. Bis heute ohne förmliche Anklage im Megiddo–Gefängnis interniert, darf Abu Sakha weder von Verwandten noch von Freunden und Freundinnen – auch nicht von israelischen – besucht werden.

Die von der Besatzungsmacht Israel in den seit 1967 besetzten Gebieten dauerhaft geltend gemachte eigene Notstandsgesetzgebung sowie die faktische Umsetzung der Administrativhaft in diesem Rahmen verstoßen grob gegen die universellen Grund- und Menschenrechte sowie insbesondere auch gegen humanitäre Verpflichtungen, die allen Staaten von den Vereinten Nationen sowie den Signatarstaaten der Genfer Konventionen auferlegt sind, um auch in Kriegs- und Besatzungsgebieten gefangenen Militärs und Zivilisten humanitäre Hilfe zukommen zu lassen und menschenwürdige Lebensbedingungen zu garantieren. (vgl. IRPI-Rechtsmemo: „Administrativhaft“ auf diesem Portal)

Kurzportrait Mohammed Feisal Abu Sakha

Abu Sakha ist seit 2007 Mitglied der für ihre künstlerischen Leistungen international gewürdigten palästinensischen Zirkusschule „Kol Saber“ in Bir-Zeit. Seit 2011 Absolvent dieser Schule, tritt Abu Sakha in der gesamten Westbank sowie in vielen Ländern Europas als Clown auf. Nach Abschluss seines Studiums wurde er als Lehrer an die Zirkusschule berufen. Sein Unterricht in Akrobatik, Clownerie und anderen Zirkuskünsten sowie sein weltoffenes, künstlerisch und sozial ausgewiesenes Engagement – Abu Sakha arbeitet u. a. auch mit behinderten Erwachsenen – machten ihn über die Grenzen des Westjordanlands hinaus bekannt und beliebt. Nicht zuletzt auch unter Kollegen und Kolleginnen auf israelischem Hoheitsgebiet.

Auf dieser Basis mit unzähligen Künstlern und Künstlerinnen international vernetzt, erfährt Abu Sakha, der zu Studienzwecken u. a. am Toulouser Lido Zentrum für Zirkuskünste sowie während des Tanzfestivals 2015 an der Potsdamer „Fabrik“ als Künstler und Trainer gastierte, weltweite Unterstützung für Projekte, die er an der „Palestinian Circus School“ mit Kindern und angehenden Artisten initiiert hat. Eine Unterstützung, die ihm – nunmehr selber Opfer der völkerrechtswidrigen Administrativhaft geworden – derzeit als breite internationale Solidarität zuteil wird.[2] [3] [4]


  1. [1] Mehr unter: http://www.addameer.org/prisoner/mohammad-abu-sakha
  2. [2] Amnesty UK (English): https://www.amnesty.org.uk/actions/free-palestinian-circus-performer-held-israel
    Amnesty Germany (German): http://www.amnesty.de/urgent-action/ua-012-2016/palaestinenser-ohne-anklage-haft
    Amnesty Spain (Spanish): https://www.es.amnesty.org/actua/acciones/israel-artista-circo-palestino-ene16/
  3. [3] Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost: http://www.juedische-stimme.de/?s=abu+sakha
  4. [4] Local EU Statement on Palestinian prisoners in administrative detention Ares (2016), 435318 Jerusalem, 27 January 2016: http://eeas.europa.eu/delegations/westbank/documents/news/2015/20160127_eu_local_statement_onpalestinian_prisoners_in_administrative_detention_en.pdf

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